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Gastartikel: La Dolce Vita zwischen Chianti und Maremma

„Die Toskana liegt nicht in Italien, sondern Italien liegt in der Toskana“ (Johann Wolfgang von Goethe)

 

Im folgenden Gastartikel erzählt Euch Muriel von ihrer Reise durch die wundervolle Toskana und stellt Euch Florenz, einen ihrer Lieblingsplätze, vor.

Wildes Camping

„Dem Glücklichen schlägt keine Stunde“, sagt man. Ziemlich genau 4.00 Uhr morgens, meldet mein Bauchgefühl, obwohl ich gerade ziemlich glücklich bin. Von links vertraute schnurchelnde Geräusche der besseren Hälfte, die…langsam aber sicher immer lauter werden? Nach den ersten beiden Nächten in einem „Glamping“-Zelt auf einem schönen, naturbelassenen Campingplatz mitten im Anbaugebiet des Chianti wird klar: Der Mann ist unschuldig. Ebenso der Wein, der hier ja bekanntlich nicht selten in Strömen fließt. Wir haben es nicht anders gewollt: raus aus dem hektischen Alltag und hinein in die Natur. Und die präsentiert sich manchmal eben unerwartet energisch: Von mehreren rüsselnden Wildschweinnasen, die sich gegen die Zeltwand am Kopfende meines Bettes drücken, um diese Zeit geweckt zu werden, ist jedenfalls ein besonderes Erlebnis.

Nach einem Zwischenstopp in Innsbruck sind wir in der traumhaft schönen Toskana angekommen, deren Fülle an in diversen Reiseführern beschriebenen zukünftigen „Lieblingsplätzen“ uns schon im Vorfeld überfordert hat. Wir entscheiden uns deshalb für eine Der-Weg-ist-das-Ziel-Philosophie, die uns samt Cabrio durch Olivenhaine, Zypressenalleen und Sonnenblumenfelder in pulsierende Städte führt. Dabei merken wir schnell: DIE TOSKANA ist nicht nur eine Region, sondern ein Lebensgefühl.

Als erstes Stammquartier, von dem aus wir zu unseren Ausflügen starten, wählen wir besagten Campingplatz (Camping Orlando). „Glamping“, also eine Kreuzung aus „glamorous“ und „camping“, verbindet das Gefühl, nur durch eine dünne Zeltplane von der Natur getrennt zu sein, mit dem Luxus einer eigenen kleinen Wohnung inklusive Zubehör. Eine gute Idee, denn in unser Cabrio passt genau eine Reisetasche und eine Menge Vorfreude, aber ganz bestimmt keine Campingausrüstung.

Im Land des schwarzen Hahns, Greve in Chianti

Wir sind im Land des schwarzen Hahns angekommen: Greve in Chianti. Das Federvieh mit stolz emporgerecktem Haupt begegnet einem hier überall, als kleiner Aufkleber an Geschäften ebenso wie als mannshohe Statue am Straßenrand. Der schwarze Hahn auf goldgelbem Grund ist das historische Symbol des Chianti-Classico-Weins. Der frühmorgendliche Stimmeinsatz aus vollem Hals seines lebendigen Vorbilds sorgte einer mittelalterlichen Legende nach für die Zuordnung des Gebiets zwischen Florenz und Siena zugunsten der Florentiner. Ihr schwarzer Hahn krähte wesentlich früher als der weiße Konkurrent der Sieneser, somit durfte ihr Reiter früher starten und gewann ein Wettrennen um die neue Stadtgrenze. Der Fairness halber sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der dunkelhaarige Gockel einige Tage vor dem entscheidenden Wettbewerb in einem finsteren Verlies gefangen gehalten wurde und somit heilfroh war, als er endlich wieder den Schnabel aufreißen durfte…auch wenn es noch mitten in der Nacht war. So viel zur Legende – das Chianti-Gebiet gelangte jedenfalls auf diese Art unter die Herrschaft von Florenz, lange bevor Siena selbst fiel.

Der schwarze Hahn schaffte es im 16. Jahrhundert sogar bis in den Salone dei Cinquecento, als der Architekt und berühmte Hofmaler der Medici, Georgio Vasari, mit der Renovierung des Palazzo Vecchio in Florenz beauftragt wurde.

Lieblingsplatz Florenz

Ein schier unerschöpflich großer Reichtum an kulturellen Spuren vergangener Jahrhunderte, kulinarische Köstlichkeiten etwas abseits des Massentourismus und die Möglichkeit, hinter jeder Ecke etwas Neues zu entdecken, machen die „Wiege der Renaissance“ zu etwas ganz Besonderem. Trotz Temperaturen um die 40 Grad erklimmen wir zahlreiche Stufen inmitten der Boboli-Gärten, bei denen wir unsere Tour beginnen. Wir werden mit wunderschönen Ausblicken auf den Dom und ein Freiluft-Skulpturenmuseum belohnt. Ein riesiges Areal an Kunst- und Kulturschätzen inmitten von Teich- und Grünanlagen. Oder eben auch „Garten“, wie die Medici dazu sagten, aber sie wohnten ja schließlich auch in einem Palast.

Mein persönliches Highlight: der kleine nackte Hofzwerg, der auf einer Schildkröte reitet und den Eingang der berühmten Grotta Grande bewacht. Gleich nebenan befindet sich der Eingang zum Vasarikorridor, der das Wohnhaus der Medici, den Palazzo Pitti, über den Ponte Vecchio durch die Uffizien mit dem Regierungssitz, dem Palazzo Vecchio, verbindet. So konnten sich die Medici in der Stadt bewegen ohne jemals einem Bürger zu begegnen. Wir haben den berühmten Geheimgang von der Brücke aus gesehen, für 2018 ist geplant, den „Corridoio vasariano“ nach einer aufwendigen Restaurierung wieder für Besucher zu öffnen – sicherlich ein sehr spannendes Erlebnis.

Der Ponte Vecchio (italienisch für „Alte Brücke“) hat uns für das entgangene Abenteuer im Geheimgang entschädigt. Trotz der vielen Touristen entfaltet sich zwischen den in kleinen Holzhäuschen untergebrachten Juwelierläden, die an die Zeit der Goldschmiede im 16. Jahrhundert erinnern, und Straßenmusikern auf einer der ältesten Segmentbogenbrücken der Welt eine romantische Stimmung. Kaum vorstellbar, dass nach ihrer Erbauung 1345 hauptsächlich Schlachter und Gerber hier ansässig waren, die stinkende Abfälle in den Fluss warfen. Heute lohnt es sich, einen Platz in der Mitte der Brücke in der Abendsonne zu erobern und den Ausblick flussauf- oder abwärts über den Arno zu genießen.

Wir schlendern in Richtung des Mercato Nuovo. Heute werden hier Lederwaren und Souvenirs an Stelle von Luxusgütern wie Gold und Seide angeboten. Das aufgeregte Treiben der Händler scheint sich allerdings kaum geändert zu haben. An der Nordseite ein inzwischen fast vertrauter Anblick: Eine große, goldglänzende Wildschweinnase wartet darauf, gekrault zu werden. Doch „Il Porcellino“ ist entspannter als seine Artgenossen auf dem Campingplatz, sein Grunzen ist kaum zu hören. Eine Legende besagt, dass es Glück bringt, die Nase der Statue aus dem 17. Jahrhundert zu berühren, eine andere, dass man so bestimmt eines Tages nach Florenz zurück kehren wird. Ob der gute alte Goethe das bei seinem ersten kurzen Besuch der Stadt schon wusste? Wie dem auch sei – ich bin ein großer Freund von Legenden, und so haben wir es uns sicherheitshalber nicht entgehen lassen.

Und siehe da, ein ziemlicher Glücksfall begegnet uns tatsächlich umgehend: Auf der Suche nach einer kleinen Stärkung finden wir das von außen recht unscheinbare „Caffè Neri“ am Fuße der Ponte Vecchio (Via Dei Guicciardini 3). Zu erstaunlich moderaten Preisen im Vergleich mit anderen Restaurants und Cafés in Florenz gibt es hier feinste italienische Konditor-Spezialitäten, z.B. Cannoli, ein mit Schokolade- oder Vanillecreme gefülltes Gebäck, und hervorragenden Espresso. Generell empfiehlt es sich, ab und zu auch mal in kleinere Seitenstraßen etwas abseits der touristischen Highlights einzubiegen, denn hier findet man oft kleine kulinarische Freuden. Eine weitere Empfehlung (diesmal deftig) schließt sich an: In der Via dell‘ Anguillara kann man bei „Il Bufalo Trippone“ landestypische Fleisch- und Käsespezialitäten mit verschiedenen Brotsorten probieren. Sehr lecker und sehr günstig.

Florenz – ein absolutes Muss auf der Reise durch die Toskana. Wer die Spuren der Medici oder der großen Denker mal kurz verlassen möchte, für den gibt es auch noch ein Gucci- oder ein Pinoccio-Museum.

Fortsetzung folgt….

Im zweiten Teil ihres Gastartikels stellt Euch Muriel schon bald weitere toskanische Lieblingsplätze wie den Monte Amiata und die bezaubernde kleine Stadt Lucca vor.

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  1. Wer in der Gegend ist, sollte unbedingt einen Ausflug ans Meer machen und eine der Wanderungen im Maremma-Park unternehmen. Die Maremma ist eine ganz besonders schöne Landschaft in der Toskana. Es ist herrlich, durch die Pinienwälder und die Macchia zu wandern und dabei vielen wilden Tieren zu begegnen.

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