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Lieblingsplatz im Wilden Westen – Leben wie ein Cowboy auf der Diamond Hanging Seven Ranch in Montana

„There’s a great American hero,we all look up to“

Big Sky Country

Lost“Get lost in Montana” – wenn ich diesen Aufdruck auf meinem Thermokaffeebecher betrachte, muss ich immer noch schmunzeln, auch wenn ich längst wieder im heimischen Köln gelandet bin. „Big Sky Country“, wie der US-Bundesstaat Montana auch liebevoll genannt wird, bietet unendliche Weite, in der man sich verlieren, aber auch tatsächlich verloren gehen kann, atemberaubend schöne Natur, echte Cowboys und einige der letzten Wildpferde dieser Welt.

In den Pryor Mountains an der Grenze zwischen Montana und Wyoming entstanden die preisgekrönten Dokumentationen um einen Hengst namens Cloud, der vielen Pferdefreunden ein Begriff sein dürfte. Regisseurin Ginger Kathrens hat ihn und seine Herde über Jahre hinweg begleitet und ein unvergessliches Zeugnis der Faszination Pferd geschaffen, das meinen Mann und mich unter anderem zu unserer Abenteuerreise inspiriert hat. Zugegeben, was meinen Mann betrifft, könnte es natürlich auch der Marlboro-Mann gewesen sein, der die Sehnsucht nach Freiheit und ungezähmter Natur geweckt hat J. Tatsächlich ist der wilde Westen hier im südlichen Montana überall spürbar, nicht nur in abendlichen Buffalo Bill-Shows, sondern in jedem Augenblick.

Crow Indianer

Wir wollten miterleben, wie ein Cowboy arbeitet, ein bisschen auf der Ranch mithelfen und natürlich selber reiten. Im August 2015 ging für uns auf der von Michaela und Lawrence (Larry) Falls Down geführten „Diamond Hanging Seven Ranch“ ein lange gehegter Traum in Erfüllung. Sie liegt mitten im Reservat der Crow Indianer oder Apsáalooke, wie sie in ihrer Sprache heißen. Larry hat selbst indianische Wurzeln, und so wurde der Besuch der Crow Fair, dem größten Treffen aller Indianerstämme weltweit, gleich zu Beginn unserer Reise zu einem einzigartigen Erlebnis.

Mehrere tausend Tipis werden jedes Jahr am dritten Augustwochenende auf einem riesigen Campinggelände aufgeschlagen. Zwischen den Zelten des „Teepee capitol of the world“ bereiten sich die Teilnehmer der großen morgendlichen Parade, die an die Reisekarawanen aus längst vergangenen Zeiten erinnert, auf ihren Auftritt vor. Pferde und Autos der Crow werden mit Tierfellen, traditionellen Sätteln, Federn und bunten Decken geschmückt. Nachmittags und abends tanzen die Mitglieder der verschiedenen Stämme in prächtigen, farbenfrohen Kleidern in einer großen Arena beim eigentlichen „Powwow“ und ziehen mit Trommeln und Gesang jeden Zuschauer in ihren Bann.

Sehr sehenswert sind auch das parallel in einer großen Arena statt findende Rodeo und die indianischen Pferderennen, bei denen der Reiter in halsbrecherischem Tempo von einem Pferd aufs andere wechseln und die Rennstrecke ohne Sattel insgesamt dreimal absolvieren muss. Das sogenannte „Relay racing“ war für den Indianer überlebenswichtig, um vor Feinden zu fliehen, heute ist es eine spektakuläre Show, die auch die Cowboys unter den Zuschauern nicht auf ihren Plätzen hält.

Unterwegs in den Pryor Mountains

Buffalo NachbarNicht ganz so schnell, dafür aber meist mit Sattel sind die Gäste der Ranch bei den Ausritten durch die eindrucksvolle Landschaft unterwegs. In rund zwei Stunden erreicht man in gemütlichem Tempo die Kaskaden, wunderschöne kleine Wasserfälle an einer Stelle in den Wäldern, an der man sie keineswegs erwartet. Wer mutig genug ist, springt von den Felsen in das eiskalte klare Wasser. Für die nicht ganz so Mutigen reicht vielleicht auch schon die Vorstellung eines plötzlich auftauchenden Bären und die damit verbundene Frage, wie schnell man wohl wieder auf das entspannt am nächsten Baum geparkte Pferd und über die zahlreichen großen Steine auf dem Weg käme.

Für den Reitanfänger hat Cowboy Larry folgenden Tipp: „Keine Sorge, Du musst nicht schneller sein als der Bär – nur schneller als der letzte Reiter“ J. Ein bisschen Ernst ist dabei, denn in Montanas Bergen gibt es sowohl Schwarz- und Braun- als auch Grizzlybären. Gesehen haben wir sie allerdings dann „nur“ im Yellowstone National Park. Kojoten, Wölfe, Elche, verschiedene Hirscharten, Schlangen, große Adler oder Präriehunde sind dagegen keine so große Seltenheit.

Yellowstone National Park

Der Besuch des ältesten Nationalparks der Welt ist ein absolutes Muss, wenn man Montana oder Wyoming bereist; er zieht internationale Besucher magisch an, die mit ein bisschen Glück Bisons, Elche, Wölfe und eben auch Bären ohne Zaun und aus nächster Nähe beobachten können. Viele Wanderer sind hier unterwegs; wir haben allerdings ganz amerikanisch die gemütliche Variante vorgezogen, mit dem Auto langsam durch den Park zu fahren. Der gute Vorsatz, beim Anblick eines wilden Tieres nicht plötzlich auf die Bremse zu treten, hielt ungefähr anderthalb Minuten, genau so lange, bis das erste riesige Bison hinter der Kurve plötzlich auf der Straße stand. Und auch die Elchkuh, die während unseres Picknicks beschloss, im See hinter uns ein Bad zu nehmen, ließ uns staunen.

Unter der Erde im Park brodelt es an vielen Stellen gewaltig: Die Vulkanlandschaft mit zahlreichen Geysiren und heißen Quellen beheimatet unter anderem den größten aktiven Geysir („Steamboat Geysir“) und die drittgrößte Thermalquelle („Grand Prismatic Spring“) der Welt. Einzellige Mikroorganismen sind für die intensive Färbung des Grand Prismatic Spring verantwortlich – ein weiteres absolutes Highlight, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.

Schon die Anreise aus Pryor wurde zum unvergesslichen Erlebnis: Bei der Überquerung des Beartooth Pass rieselte mitten im August tatsächlich ein wenig Schnee auf die Windschutzscheibe unseres Pick-ups. Drei Tage zuvor schwitzten wir wohlgemerkt noch bei knapp 42°C während der Crow Fair im wüstenähnlichen Klima. Aber auch ohne Ausflüge auf hohe Bergkämme gibt es an dieser Stelle noch eine Cowboy-Weisheit, die für sich spricht: „Wenn dir das Wetter in Montana nicht gefällt – warte einfach fünf Minuten.“ Denn egal, ob sehr warm oder sehr kalt, windig ist es hier eigentlich immer.

Die fantastische Aussicht in über 3.300 Metern Höhe bietet sich Besuchern allerdings nur in den Sommermonaten, aufgrund Eis und Schnee wird die Strecke im Winter meist gesperrt. Im Sommer tummeln sich hier dutzende fast zahme Streifenhörnchen, die sich mit großer Begeisterung aus der Hand füttern lassen.

Ein Tipp für die Reiseplanung: Unbedingt ausreichend Zeit mitnehmen, um die Schönheit des Yellostone Parks und auf dem Weg dorthin in allen Zügen genießen zu können! Es lohnt sich auf jeden Fall, in Parknähe zu übernachten und die Tour am zweiten Tag fort zu setzen. Das Eintrittsticket ist immer sieben Tage lang gültig.

„Completely lost“

Auf dem Rückweg erfuhren wir, was es bedeutet, sich irgendwo in „the middle of nowhere“ zu verfahren. Das Wort „Abenteuer“ bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn man nicht mit GPS, sondern einer Landkarte ausgestattet ist, auf der nicht alle kleinen Wege verzeichnet sind, vor einer Stunde offenbar die falsche Abzweigung auf einer der Schotterpisten genommen hat, die Sonne langsam untergeht, und das Handy nicht den leisesten Ansatz von Empfang vermeldet. Außer uns war buchstäblich niemand auf der Straße, es gab kein Licht außer den Scheinwerfern unseres Autos, dafür aber eine Tanknadel, die sich langsam aber sicher dem Nullpunkt zuneigte.

Aber wir hatten Glück: Kurze Zeit später erreichten wir eine etwas besser befestigte Straße und trafen eine nette amerikanische Familie, die kurz die Fassung verlor, als sie hörte, wie weit wir an diesem Abend noch durch die Dunkelheit fahren wollten, dann aber ca. 20 Minuten vor uns her in Richtung des nächst größeren Ortes fuhr, um uns aus der Wildnis zu retten. Wir bedankten uns mit einigen Dosen Budweiser, davon hatten wir schließlich reichlich auf unseren Pick-up geladen.

Abenteuer

So überraschend wie das Wetter in Montana kann auch das Ranchleben selbst sein. Wenn man sich beim abendlichen Füttern der Rodeo-Stiere und Kühe trotz einiger voran gegangener Budweiser sicher ist, dass sich die Zahl der Tiere im Vergleich zum Vortag auf unerklärliche Weise verfünffacht hat, nun, dann weiß man, was man am nächsten Tag zu tun hat: rauf aufs Pferd und sie wieder zum Nachbarn treiben, wobei beim Begriff „Nachbar“ die eingangs erwähnte Weite des Landes nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Spätestens bei einem der mehrstündigen Ritte fühlt man sich wie ein richtiger Cowboy bzw. ein richtiges Ranch im SonnenuntergangCowgirl. Larry und seine Frau Michaela stehen mit hilfreichen Tipps zur Seite und man lernt schnell, sich auf den Partner Pferd zu verlassen, wenn der Weg über steile Berge, Wassergräben oder Steinansammlungen führt, bei deren alleinigem Anblick europäische Zwei- und Vierbeiner schnellstmöglich das Weite suchen würden. Diese Pferde bewegen sich immer trittsicher und routiniert auch durch unwegsames Gelände.

Erinnerung und Empfehlung

Wir haben während unseres Urlaubs noch ein paar Mal auf Montanas Straßen die Orientierung verloren, dafür aber unbezahlbare Erlebnisse gewonnen, an die wir uns noch sehr, sehr lange erinnern werden. Schwimmen im Yellowstone River…mit kurzem Besuch einer Schlange. Ein riesiges Bison, das den Weg versperrte. Nächtliches Kojotenheulen. Erfolgreich zusammen getriebene Kühe. Abendliche Ritte im Sonnenuntergang. Das Gefühl von Freiheit unter einem endlosen leuchtenden Sternenhimmel. Der Anblick der friedlich grasenden Wildpferde in den Bergen.

Montana macht ein bisschen süchtig. So wie Larrys morgendliche Pancakes mit Sirup, Speck und Eiern. So wie das zweite Zuhause auf dem Pferderücken. So wie die Abende am Lagerfeuer. So wie die tollen Menschen, die mit uns das Abenteuer gesucht und gefunden haben. So wie die DH7 Ranch mit ihren großartigen herzlichen Gastgebern. Und nicht zuletzt wie dieser Song:

Unser Soundtrack zum Ranchurlaub in Montana: „Cowboy logic“

Im Original stammt der Country-Klassiker von Michael Martin Murphey, aber wer das große Glück hat, während des Ranchaufenthalts einen von Larrys Auftritten mit der Crow Country Band mit erleben zu können, sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen, denn der Cowboy ist auch noch ein toller Sänger und Musiker! Das folgende Video wurde von Larrys Gästen aus Frankreich, Spanien und Deutschland kurz vor unserer Ankunft erstellt, spiegelt aber ebenso unsere großartige Zeit auf der Diamond Hanging Seven Ranch. Danke u.a. an Katja, Salomé, Louis, Nicholas, Marie und Larry! Das Video findet ihr HIER.

 

Weitere Infos zu unseren unvergesslichen Reise-Highlights gibt es hier:

Larry und Michaela

Diamond Hanging Seven Ranch:

PO Box 144

Pryor MT, 59066

larry@crowcountry.com

http://crowcountry.com/index.htm

Crow Nation und Crow Fair: http://www.crow-nsn.gov/

Wildpferde: http://www.pryormustangs.org/

Yellowstone National Park: http://www.yellowstonenationalpark.com/

Ein Gastbeitrag von Muriel Schulte

 

4 Kommentare

  1. Avatar
    Katja Hahne sagt

    Hey Muriel,

    jetzt weiss ich, dass auch ihr alles gut überstanden habt :))
    Wir haben schon wieder Sehnsucht!

    Ganz lieben Gruß an dich und deinen Mann,
    Katja

    • Avatar
      Muriel Schulte sagt

      Hey Katja,

      gibt’s ja gar nicht, ich sehe deinen Kommentar erst jetzt 🙂
      Ja, das wird nicht mehr aufhören mit der Sehnsucht – dieses Jahr USA Westküste mit ner Freundin…

      Ganz liebe Grüße zurück, auch an Salomé!
      Muriel

  2. Avatar

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